Klaus Ziegert - Kunst im Status Nascendi

 
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Kunst im Status Nascendi
 

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Bewegungsspuren

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Das Weiß erschien nicht als Fläche, sondern als Bewegung! Bewegung des Lichten erlöste das im Dunkeln Verhärtete. Bewegung erlöste den Kopf.
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Hunderte und Hunderte von Zeichnungen entstanden, nichts mehr als flüchtige Skizzen, ..., ein Exerzitium in Bewegungsspuren, unzählige davon in kleinen Heften, ..., augenscheinlich eine Reduzierung der Ausdrucksmöglichheiten, keine "Werke", sondern Üb-Spuren. Keine Farbe. Eine wunderbare Verarmung.
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Manchmal wie die Spur eines Tanzes, manchmal mehr wie die Spuren eines, der sich aus Wirrem zu lösen versucht, oder wie Tritte eines Vogels. Blätter, auf denen wenige Striche eine Art Melodie erzeugt haben, eher eine musikalische als eine architektonische Gestalt. Zeichnungen, die man hören kann. Spuren von Bewegungsverläufen, die man ganz fein mit dem eigenen gesamten Organismus nachvollzieht, ja nachtanzt. So kam es, dass eine Bewegungskünstlerin und ein Musiker, sich von diesen Bildern angeregt fühlten, ..., etwas von dem inneren Bewegungswesen der Zeichnungen nachzuschaffen und damit die Intensität ihrer Wahrnehmung dafür zu steigern.
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Wiederannäherung an die Farbe

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durch die radikale Reduktion auf Bewegungsspuren will nun die Farbe auf einer höheren Ebene des Ästhetischen wiedergeboren werden, wo nicht das einfache sogenannte Schöne wirkt, sondern wo aus der Steigerung ... von Form und Stoff im "Spiel" sich die Schönheit neu konstituiert ... Bilder in einer völlig neuen Farbigkeit entstehen. Sie zeigen etwas anderes als "Harmonie", sie zeigen Schmerz, Überwindung, Verwandlung. Die Farben scheinen durch die Reinigung des Weiß geläutert und durch die Bewegung erfrischt. Es scheint eine neue Qualität von lebendiger Substanz, die die Seele ernährt... einer großen Steigerung fähig, wenn wir uns bereit machen, auf die direkte Befriedigung unserer Sinne durch das "harmonisch Schöne" zu verzichten.

So begegnen sich die Künste, so befruchten sie sich. Der Betrachter der Bilder wird in eine innere Bewegung versetzt, sodass er - Malerei, Gebärde und Musik aufeinander beziehend - nicht mehr nur mit den Augen, sondern auch mit den Gliedmaßen und dem ganzen Körper "schaut"; die Aktionen der Geige angesichts der Bilder und der Gesten schließen den Sinn dafür auf, dass das Hören mit dem ganzen Leib in die Abgründe des Daseins hinunterreicht.
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Ganz neue "Schönheiten" werden vernehmbar.
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Auszüge aus dem Text "Kunst im Status Nascendi" von Dr. Peter Guttenhöfer, erschienen in "Das Goetheanum" Nr. 21-22, 26. Mai 2012.

 
   
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